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Wörter im Alltag


1. Fremdwörter 2. Andere Sprachen

Wenn man sich mit Sprachen beschäftigt, sind Latein und Griechisch allgegenwärtig. Die meisten Fremdwörter und Fachausdrücke lassen sich auf die alten Sprachen zurückführen. In den anderen westeuropäischen Sprachen wie z. B. Französisch, Italienisch, Spanisch und auch Englisch sind die Anteile mit lateinischen Wurzeln sehr hoch.

1. Fremdwörter

Wie schon erwähnt, lassen sich die meisten Fremdwörter und Fachausdrücke auf die lateinische und griechische Sprache zurückführen. Die Kenntnis dieser beiden Sprachen ermöglicht das Verstehen dieser Begriffe. Sie sind nicht mehr nur abstrakte Buchstabengebilde. Die Bedeutung von unbekannten Fremdwörtern lässt sich über die alten Sprachen oftmals erschliessen. Hierzu noch einige Beispiele.

  • Es gibt eine Unmenge von Ausdrücken, die die Endung "-logie" haben (z. B. Psychologie, Biologie). Diese Endung stammt von gri. λογοσ (logos): die Lehre. Psychologie ist also die Lehre von der Psyche, wobei Psyche wiederum von gri. ψυχη (psyche): die Seele. Also kann "Psychologie" als die "Lehre von der Seele" übersetzt werden.

    "Bio" stammt von gri. βιοσ (bios): das Leben. Die Biologie ist also die "Lehre vom Leben".

  • Auch in der Mathematik entstammen viele Begriffe dem Griechischen oder Lateinischen. So kommt beispielsweise Arithmetik von gri. arithmo's: die Zahl.

  • Das Wort Atom gründet auf dem griechischen a'tomon: unteilbar. In der Vorstellung der Griechen waren die Atome die kleinsten Teilchen, die kugelförmig und unteilbar waren. Interessant ist, dass die Vorstellung einer aus unfassbar kleinen Teilchen bestehender Materie bereits vor über 2000 Jahren entstanden ist.

  • Dem Wort "gratis" liegt der lateinische Begriff gratia: Dank zugrunde. Die Form "gratis" ist Plural und im fünften (!) Fall Ablativ. Sie bedeutet so viel wie "für blossen Dank".

  • Sogar in der Computerwelt trifft man immer wieder auf die alten Sprachen. Die Bezeichnung "Pentium" für die Prozessoren der Firma Intel leitet sich von der Version fünf der x86- Befehlssatzes ab. Nach dem 386er und dem 486er folgte dann der 586er, der die Bezeichnung Pentium bekommen hat. Pentium stammt von gri. pente: fünf.

    Bemerkenswert ist auch, dass hier nicht nur auf die Sprachen, sondern auch auf die antiken Sagen zurückgegriffen wurde. Schädliche Computerprogramme, die sich quasi als nützliche tarnen, nennt man "Trojanische Pferde". Der griechischen Sage nach versteckten sich griechische Soldaten in einem riesigen hölzernen Pferd, das sie dem belagerten Troja als Geschenk der Götter präsentierten. Die ahnungslosen Trojaner nahmen dieses Pferd in ihre Stadt, wo sie dann von den versteckten Kriegern überfallen wurden.

  • Auch die bekannte Automarke Audi lässt sich auf das Lateinische zurückführen. Audi ist Imperativ von lat. audire: hören und bedeutet demzufolge "höre!". Der Sohn von Firmengründer August Horch gab diesem die vom Lateinunterricht inspirierte Idee für die Marke.

Diese Liste lässt sich beinahe endlos weiterführen. Obige Beispiele sollen einen Eindruck davon geben, wie viele Wörter in unserem Sprachgebrauch auf Latein und Griechisch zurückgehen.

2. Andere Sprachen

Beim Erlernen von modernen Sprachen sind Kenntnisse in Latein und Griechisch eine grosse Hilfe. Viele wichtige europäische Sprachen, die romanischen, stammen direkt vom Latein ab. Dies sind z. B. Französisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch und auch Rumänisch. Ihrer Herkunft entsprechend sehen sehr viele Wörter dieser Sprachen ihrem lateinischen "Original" ähnlich.
Dazu ein Beispiel: lat. amicus (der Freund) ist ital. amico, span. amigo, franz. ami und portug. amic.

Auch im Englischen, welches fast als Synonym für die moderne Sprache verwendet wird, beträgt der Anteil Wörter lateinischen oder griechischen Ursprungs über zwei Drittel!

Die nachfolgende Tabelle zeigt einige englische Wörter mit ihrer lateinischen Herkunft.

EnglischLatein EnglischLatein
historyhistoria insaneinsanus
necessarynecessitas popularpopulus
quietquietus dignitydignitas

Es gibt auch viele englische Wörter, die letztlich vom Griechischen abstammen; auch hierzu einige Beispiele:

EnglischGriechisch EnglischGriechisch
paperpàpyros sketchschèdion
sceneskenè schemeschèma
painpoinè   

Wer sich mit den alten Sprachen und ihrer klaren Grammatik auseinandersetzt, schult auch allgemein das Verständnis für syntaktische Strukturen in irgendeiner Sprache, natürlich auch im Deutschen.

Das systematische Vorgehen für lateinische und griechische Texte hilft beim Analysieren und Interpretieren von deutschen Texten. Zudem haben Latein- und GriechischschülerInnen immer wieder die Aufgabe, den geeignetsten Ausdruck für die Übersetzung ins Deutsche zu finden. Dadurch wächst auch das Sprachgefühl im Deutschen.

Erwähnenswert ist hier noch Folgendes: Bei Untersuchungen in England und in den USA stellte man fest, dass insbesondere Schüler/innen aus sprachlich unterprivilegierten Schichten in ihrer eigenen Muttersprache erheblich Fortschritte machten, wenn sie sich mit Latein beschäftigten.

Fuss Fuss
Last modified: Fri, 02 Dec 2005 01:01:08 +0100.
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